Oktober 2013

Gabelracke (Coracias caudatus)

Die Gabelracke ist einer der schönsten Vögel. Sie lebt im östlichen Afrika von Äthiopien bis zum nördlichen Südafrika und im Südwesten Afrikas. Sie jagt von einem Ansitz aus und kann dabei mit dem Auto als „rollendem Versteckzelt“ gut angepirscht und fotografiert werden.

Im Gegensatz zu vielen Kollegen bin ich in Afrika oft froh über "schlechtes Wetter", also bedeckten Himmel. Sonnenlicht ist hier nur bis 1 1/2 Stunden nach Sonnenaufgang und ab 1 1/2 Stunden vor Sonnenuntergang richtig schön, dann wird es grauslich hart und steil. Bei bedecktem Himmel kommen wie auf diesem Bild die Farben der Gabelracke besonders gut zur Geltung. In der Aufnahmesituation, die zu diesem Bild führte, belegen die Bilddaten, dass „fast gar kein Licht“ mehr da war. Dennoch ergab 1/100 Sek bei Bl. 6.7 ein fantastisch ausgeleuchtetes und überaus scharfes Bild.

Nikon D3S, 600mm/4 mit 1,4-fach-Konverter, ISO: 2500 (!!!), Bl. 6.7 bei 1/100 Sekunde.


September 2013

Überfall! Her mit der Beute!

Natürlich ist es kein "Überfall". Eine Gepardenmutter mit zwei Jungen hat sich einem Touristenauto genähert und ist dann auf die Motorhaube des Wagens gestiegen. Von hier aus hat sie einen hervorragenden Überblick über die Savanne und kann Beutetiere - insbesondere sehr kleine abgelegte Thomsongazellen - viel besser sehen als von ebener Erde aus. Es gibt etliche Gepardinnen, die dieses Verhalten praktizieren. Eine der bekanntesten war "Queen", die in der Massai Mara lebte und durch eine Macke in einem ihrer Ohren sehr gut wiedererkennbar war. Sie ist vermutlich um 2002 im hohen Alter von fast 15 Jahren gestorben. Ihr Verhalten Menschen gegenüber hat sie an etliche ihrer zahlreichen Töchter weitergegeben, u.a. an "Princess", die ebenfalls häufig auf Autos stieg.

Häufig wird kritisiert, dass insbesondere Geparde und Leoparden von vielen Fotografen-Autos umzingelt werden, und die Fotografie solcher Tiere wird kritisiert. Manche Autoren versteigen sich zu Behauptungen, dass auf Safaris Tierfotos "unter tierquälerischen Bedingungen" entstehen und dass "jedes Foto einer Gepardenmutter mit Babys ein Beitrag zur Vernichtung der Art" seien. Solche pauschalisierenden Anschuldigungen sind wenig hilfreich und natürlich, mit dieser Auschließlichkeit geäußert, nicht richtig.

Um hier überhaupt keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Wenn Tiere gestört und beeinträchtigt werden, während jemand sie fotografiert, dann ist das nicht zu tolerieren. Ohne Wenn und Aber. Wenn aber ein Fotografenkollege sich im Einklang mit den Nationalpark- oder Schutzgebietsregeln über Tage und Wochen in gebührendem Abstand in der Nähe einer Gepardenfamilie aufhält und schließlich von den Geparden akzeptiert wird, wenn diese z. B. sich dem Auto nähern und darauf herumturnen, dann hat das mit verbrecherischen Fotomethoden aber auch rein gar nichts zu tun. Ob also Tiere gestört oder beeinträchtigt werden, ist von Fall zu Fall zu entscheiden. Und dann ist falsches Verhalten tatsächlich zu ächten. Es ist jedoch selbstverständlich nach wie vor möglich, auf schonende Weise und unter Beachtung der geltenden Naturschutzgesetze, Fotos von Geparden und Leoparden zu machen.

Alle Bilder meine Bilder von Geparden sind entstanden, ohne dass die Tiere in irgendeiner Weise beeinträchtigt worden wären, und immer aus der größtmöglichen Entfernung. (Eine große Entfernung einzuhalten, war natürlich dann sehr schwierig, wenn sich die Gepardin auf mein Wagendach gelegt und mit Blicken aufmerksam das Wageninnere inspiziert hat, während ihre Jungen ums Auto herumgetollt sind .) Jeder, der nach Afrika fährt, sich an die Regeln hält und dort Raubkatzen fotografiert, sollte sich kein schlechtes Gewissen einreden lassen. Natürlich weiß ich, dass immer wieder Verstöße gegen diese Regeln passieren. Das ist schlecht und muss bekämpft werden. Aber verantwortungsvoll arbeitende Fotografen sollen weiterhin ihrer Arbeit oder ihrem Hobby nachgehen dürfen!


Juli/August 2013

Kronenkranich

Ungefähr 800 Kronenkraniche hielten sich im Juni 2013 tagsüber in einem Sumpfgebiet am Rand des South Lungwa National Parks, Sambia, auf. Sie suchten dort offenbar nach Nahrung. Unmittelbar vor Einbruch der Dunkelheit flogen die Vögel zu ihren Schlafplätzen in der Nähe.
Die Darstellung der fliegenden Kronenkraniche war eine fotografische Herausforderung. Versuche mit kurzer Verschlusszeit brachten keine befriedigende Ergebnisse. Es kam eigentlich nur ein Foto mit relativ langer Belichtungszeit in Frage. Dabei hat sich eine Belichtungszeit von 1/40 Sekunde als probat erwiesen. Dabei sind die Vögel, insbesondere die Flügel, hinreichend verwischt und unscharf und verleihen dem Bild Dynamik. Andererseits sind viele Einzelheiten der Vögel noch gut zu erkennen, z. B. die auffällig roten Kehllappen. Alle anderen Belichtungsversuche haben sich als weniger geeignet erwiesen. Ich bin mit dem Ergebnis sehr zu frieden.

Technische Angaben:
Canon EOS-1D X, 800mm
1/40 Sek., f/7.1, ISO 160
Belichtungsautomatik, Automatischer Weißabgleich



Juni 2013

Kampfläufer unter der Mitternachtssonne

In Mitteleuropa findet die Balz der Kampfläufer ab Anfang Mai statt - wenn sie denn noch stattfindet. Denn mittlerweile gibt es bei uns nur noch Restbestände dieser Art. Je weiter man nach Norden kommt, verschiebt sich die Balzperiode nach hinten; in Nordsibirien beginnen die Vögel erst im Juni mit der Balz. Etwa drei Wochen dauert die Balzperiode.

Das Verhalten der Kampfläufer bei der Balz ist ziemlich kompliziert. Es kann als "Arena-Balzverhalten" bezeichnet werden und ist der Arenabalz der Birkhähne nicht unähnlich, aber ungleich komplexer. In diesen Balzarenen stellen sich die Männchen den Weibchen zur Schau. Die Weibchen suchen sich eines der Männchen zur Paarung aus. Auf "meinem" Balzplatz in Nordnorwegen sind es bis zu 20 Hähne, die sich jedes Jahr gleichzeitig einfinden, in Sibirien habe ich Balzplätze mit über 100 Hähnen gesehen. Sie besetzen kleine bis zu 1x1 m große Territorien, die sie gegen ihre Rivalen verteidigen. Allerdings nur die dunkel gefärbten Männchen. Die hellen, weißlich gefärbten Hähne, Satellitenmännchen genannt, verteidigen kein Revier, sondern halten sich in der Nähe der Revierinhaber auf und versuchen, ab und zu mit einer Paarung zum Zuge zu kommen. Während die dunkel gefärbten Hähne untereinander sehr aggressiv sind, werden die hellen Satellitenmännchen von den dominanten Hähnen geduldet. Dennoch gibt es zahlreiche Kämpfe zwischen beiden Gruppen.

In diesem Mai war ich wieder da. Erstaunlicherweise hat die Zahl der Vögel erheblich zugenommen. Im Schein der Mitternachtssonne balzen sie hier "rund um die Uhr". Noch geht die Sonne für gut eine Stunde unter. Ich habe keinen auffälligen Tagesrhythmus bezüglich der Balzaktivitäten festgestellt. Vielleicht sind sie in der kurzen zeit der Dämmerung, wenn die Sonne kurz verschwindet, weniger aktiv. Kurz vor und nach dieser "Dunkelheit" ist das Licht am schönsten. Die hier vorgestellte Aufnahme wurde um 2.47 Uhr gemacht. Das Licht ist weich und warm und fällt sehr flach ein. So entstehen Schatten auf den Vögeln. Aber genau so sehen sie aus. Nur das Wesentliche wird beleuchtet. Würde man die Tiefen aufhellen, ginge die Atmosphäre dieses Augenblicks verloren.

Kein Kampfläufer sieht aus wie der andere. Man kann jedes Tier individuell mit der derselben Sicherheit erkennen, wie man Menschen nach einem Fingerabdruck unterscheiden kann. Unter schätzungsweise 50 verschiedenen Männchen, die den Balzplatz im Laufe von zwei Wochen besuchten, war dieses Männchen das einzige dass so auffällig rote Gesichtswarzen hatte.


Mai 2013

Nachts auf dem Moor

Auch dieses Bild ist ein Beispiel dafür, wie die digitale Technik die Fotografie in Bereiche vorstoßen ließ, die noch vor wenigen Jahren undenkbar schienen. Die Situation: Ich sitze im Mai 2009 im Bärenansitz auf einem finnischen Moor. Längst sind alle Bären im Wald verschwunden. Gegen 22.00 h habe ich beschlossen, dass die heutige "photosession" beendet ist, und habe auf Schlafmodus umgeschaltet. Gegen Mitternacht höre ich ein Geräusch und sehe hinaus. Da stehen die beiden Bären und machen Anstalten, sich zu paaren. Eine solche Szene fehlt mir noch. Bis vor weniger als zehn Jahren hätte ich nun dem Treiben mehr oder weniger frustriert zugesehen und mich geärgert, dass sowohl Velvia (eher 40 als 50 ASA) als auch als auch Provia (100 ASA) von der Belichtungszeit her hoffnungslos kapituliert hätten. Jetzt packe ich die Ausrüstung in höchster Eile noch einmal aus, stelle die Nikon 3D auf 2400/3600 ISO und habe eine Verschlusszeit von 1/30 bis 1/60 Sekunde. Die Aufnahme ist keine Notlösung, sondern sie ist technisch nicht nur brauchbar, sondern gut. Kein Bildrauschen! Sie ist u. a. ganzseitig in unserem Buch "Nordische Momente" abgebildet.


April 2013

Flattersprung des Birkhahns vor Sonnenaufgang
Nikon D3S, ISO: 3200

Auf einem schwedischen Balzplatz ̶̶ früher:
Wenige Minuten vor 7.00 Uhr wird die Kälte unerträglich. Durch den Sehschlitz erkenne ich vier Birkhähne, die auf halbwüchsigen Kiefern in etwa 300 Metern Entfernung aufgebaumt haben. Seit 4.00 Uhr habe ich die Balz der Birkhähne beobachtet. Zuerst waren sie nur zu hören, dann konnte ich die faszinierende Arenabalz sehen - nur fotografieren konnte ich nicht... Lichtmangel!. Im Osten steigt die Sonne über die Wipfel des Waldrandes. Sie färbt die bis dahin nebelgraue Moorlandschaft rotgelb, und exakt als der erste Lichtstrahl den Balzplatz erreicht, sind sie wieder da: Pfeilschnell schießen neun Birkhähne heran, fliegen eine Landekurve und setzen geräuschvoll auf. Rasch hat jeder sein Territorium besetzt, und bald ist die Luft wieder mit Kullern und Fauchen erfüllt. Die Sonne scheint, und endlich mache ich die ersten Bilder des Tages auf Filmen mit 50 und 100-ASA.

Auf einem schwedischen Balzplatz ̶̶ heute:
Seit 4.00 sitze ich im Versteck am Balzplatz der Birkhähne. Langsam weicht die Dunkelheit, und irgendwann ich kann die Vögel erkennen. Zwei Hähne fauchen einander an und springen dabei aufgeregt in die Luft. Mit wildem Flügelschlagen schießen sie aneinander in die Höhe und versuchen, sich gegenseitig mit dem Schnabel an Hals oder Kopf zu fassen. Einige kleine Federn tanzen durch die Luft. Ein Hahn in meiner Nähe ist besonders stark erregt. Fauchend springt er immer höher und schwirrt dann plötzlich mit einem anhaltenden, vibrierenden Zischen ein gutes Stück dahin. Dieser "Flattersprung" ist wohl die faszinierendste Balzäußerung des Birkhahns und kann sich zu ausgedehnten "Flatterflügen" steigern. Diesmal muss ich nicht warten bis gegen 6.45 Uhr die Sonne aufgeht. Fast eine Stunde früher habe ich die ersten Fotos gemacht. Und jetzt gelingen mit ISO 3200 und Verschlusszeiten von fast 1/1000 Sek. Fotos vom Flattersprung noch vor Sonnenaufgang. Die digitale Fotografie hat uns vom Diktat des Sonnenlichts befreit und uns zudem unendlich viele Stunden Fotografierzeit in schönstem Licht geschenkt. Welch ein Segen!


März 2013

Rennvogel in der Halbwüste "El Jable
Kanarische Inseln.


Februar 2013

Gnugeburt
Wenn der Regen mitspielt, dann findet um die letzte letzte Woche im Januar und die beiden ersten Wochen im Februar auf den Kurzgrassavannen südlich des Serengeti-Nationalparks eines der spektakulärsten Ereignisse in der Natur statt: das jährliche Massenkalben der Gnus. Innerhalb von gut zwei Wochen erblickt eine Viertelmillion Gnukälber das Licht der Welt. Direkt nach der Geburt müssen Mutter und Kind „Ohr- und Nasenkontakt“ aufnehmen. Wenn sie dabei gestört werden, entsteht keine Bindung zwischen ihnen, und die Mutter akzeptiert das Baby nicht. Dieses Bild ist daher aus weiter Distanz mit 600mm Brennweite plus 1,4-fach Kon-verter aufgenommen worden.

In diesem Jahr scheint es, als sei das Kalben verspätet. Es hat wohl noch nicht ge-regnet. Ich stehe mit der Ndutu Lodge in Verbindung und hoffe, bald neue Informationen zu bekommen.


Januar 2013

Kämpfende Steppenzebrahengste
die beiden Zebrahengste gehören der Art "Steppenzebra" an und zwar in der Unterart "Böhm-Steppenzebra" oder "Grant-Steppenzebra" (Equus quagga boehmi).

Es gibt drei Zebraarten. Alle gehören zur Gattung Equus. (Die Gattungsbezeichnungen Hippotigris oder Dolichohippus sind entbehrlich).

1. Grévyzebra (Equus grevyi), keine Unterarten
2. Bergzebra (Equus zebra) mit den Unterarten Hartmanns Bergzebra (E. z. hartmannae, Hartmann war eine Frau!) und Kap-Bergzebra (E. z. zebra).
3. Steppenzebra oder Savannenzebra (Equus quagga) mit zahlreichen Unterarten wie antiquorum, selousi, foai, matschiei, paucistriatus, kaokoensis, cuninghami, kaufmanni, goldfinchi, pococki, annectens, lorenzi, trouessarti, frederici und danieli.
Es ist sehr schwierig, die verschiedenen Unterarten an Einzeltieren festzumachen. Grundsätzlich gilt, dass die Steppenzebraunterarten im Norden Afrikas reinweiß mit scharf abgesetzten schwarzen Streifen gefärbt sind und nach Süden immer brauner werdende „Schattenstreifen“ dazukommen. Dabei wird das Weiß zunehmend cremig bis bräunlicher. Südliche Unterarten haben oft ungestreifte, weiße Beine. All das trifft aber nicht für alle Tiere einer Population zu. Die Variationsbreite ist sehr hoch. (Horst Hagen, in: Hagens Afrika). Eine besondere Schwierigkeit bereitet die Tatsache, dass im englischen Sprachbe-reich bis vor kurzem die Art „Steppenzebra“ als „Burchell’s zebra“ benannt worden ist. Hagen: „Der Name Burchell's Zebra ist nämlich vergeben für die in Deutsch so genannte Unterart des 'richtigen' Burchell-Zebras (Equus quagga burchelli). Diese Unterart mit einem kleinen Verbreitungsgebiet wäre damit aus dem Status einer Unterart heraus in den Rang einer guten Art gehoben.“ Mittler-weile nennen die Engländer das Steppenzebra nicht mehr "Burchell’s zebra", sondern "Common oder Plain's zebra", was die Sache sehr erleichtert.
Quelle: http://www.hagensafrika.de/pdf/texte/txt_001.pdf

Steppenzebras leben normalerweise in kleinen Familiengruppen, die aus einem einzelnen Hengst, einer bis zu mehreren Stuten sowie deren Nachwuchs bestehen. Die größten Gruppen umfassen bis zu 15 Mitglieder (Hengst, sechs Stuten, acht Fohlen), durchschnittlich liegt sie aber bei vier bis acht. Die Gruppen oder Kleinherden unterhalten keine eigenen Territorien. Zeitweilig formen mehrere Gruppen auch größere Verbände. In großen Steppenzebra-Verbänden gibt es aber keine über die Einzelgruppen hinausgehende übergeordnete Organisation. Neben den eigentlichen Herden gibt es auch "Junggesellengruppen" junger männlicher Tiere, die noch keine eigene Herde aufgebaut haben. Kämpfe unter Hengsten finden eher selten statt und kommen in der Regel bei Übernahmeversuchen einer Herde durch einen fremden dominanten Hengst vor. Sie werden jedoch mit großer Brutalität und Ausdauer geführt. Dabei fließt durchaus Blut. Verliert der bisherige Herdenführer diese Auseinandersetzung, verlässt er die Gruppe, wobei ihm seine männlichen Nachfahren zum Teil folgen.


Dezember 2012

Jungfernranich (Anthropoides virgo)
Der Jungfernkranich ist die kleinste Art der Familie der Kraniche (Gruidae). Sie ist ein Brutvogel der borealen Zone sowie der Steppen- und Wüstenzonen von Südosteuropa und Zentralasien und kommt bis in den Nordwesten der Mongolei und den Nordosten Chinas vor. Der Jungfernkranich bewohnt Halbwüsten, Steppen und vegetationsarme Hochebenen. Auf ihrem Zug überqueren die Jungfernkraniche das Himalaya-Gebirge, darunter auch den Mount Everest, was unter Zugvögeln einmalig ist.

Zu Beginn des Winters treffen tausende der Vögel in der nordwestindischen Wüste ein. Am Rand des Dorfe Khichan, nur 100 km östlich der Grenze zu Pakistan, ließ Prakash Jain vor 30 Jahren einen Fütterungsplatz errichten, etwa 4000 m2 groß und mit Stacheldraht eingezäunt, hauptsächlich zum Schutz der Vögel vor verwilderten Hunden. Täglich werden 800 kg Hirse verfüttert.

Bei Tagesanbruch versammeln sich die Vögel in den Dünen unweit des Dorfes. Bevor die Vögel zwischen zehn und elf Uhr in einem großen Schwarm den Futterplatz aufsuchen, versammeln sie sich vor den Toren Khichans. Sie haben keine Angst vor den Hunden, halten aber gebührenden Abstand. Selbst Welpen kommen sie nicht zu nahe, wie man auf diesem Bild sehen kann.


November 2012

Gnus im Staub
Zwischen einer und eineinhalb Millionen Gnus durchwandern alljährlich im Uhrzeigersinn das Serengeti-Mara-Ökosystem. Ab Juli überqueren sie den Mara-Fluss, die Grenze zur Massai-Mara auf kenianischem Boden, im Oktober/November gehen sie zurück über den Fluss nach Tansania.

Diese Flussdurchquerungen gehören zum Spektakulärsten, das man in der Tierwelt fotografieren kann. Sehr oft sind jedoch die fotografischen Bedingungen schlecht. Fast immer finden diese "crossings" um die Mittagszeit statt. Wie jeder weiß, sind dann die Lichtbedingungen am schlechtesten. Manchmal hat man Glück, dann ist der Himmel bedeckt, und die Schlagschatten werden gemildert. Noch mehr Glück hat man, wenn das Licht zusätzlich durch Staub gefiltert wird, den die Tiere beim Vorwärtsstürmen aufwirbeln. Unter solchen Bedingungen ist dieses fast ausschließlich in Brauntönen gehaltene Bild entstanden. Es erinnert entfernt an Strukturen und Farben in alten Höhlenmalerien. Dieser Eindruck wurde durch Unterbelichtung, Tonwertverschiebung und Farbsättigung verstärkt.


Oktober 2012

Weißstorch in Flammen
Steppenfeuer sind etwas Natürliches. Sie entstehen seit Jahrmillionen durch Blitzschlag. Viele Raubtiere, Raubvögel und große Schreitvögel wie Störche und Reiher machen sich solche Feuer zu Nutze. Sie patrouillieren am Rand der Feuerwalze und fangen große Insekten, Reptilien und Kleinsäuger, die vor den Flammen fliehen oder danach tot auf der Strecke bleiben. Gebiete in der Nähe eines Feuers sind für die verschiedensten Beutegreifer ein Schlaraffenland. Dieser Weißstorch steht dicht hinter einer Feuerfront. Die wabernde Luft erweckt den Eindruck, als sei er durch eine Milchglasscheibe fotografiert worden.

Seit jeher haben Rinderhirten (z. B. die Massai) in den Steppen Afrikas absichtlich Feuer gelegt und ihre Tiere auf die verkohlten Flächen mit frisch sprießendem Gras getrieben. Leider wird auf diese Art und Weise im Ökosystem der Steppe bestimmten Grasarten ein Evolutionsvorteil beschert: Nur die feuerresistenten Arten bzw. die, die nach einem Feuer sofort wieder nachwachsen, setzen sich auf Dauer durch und beherrschen die Flora der Grassavannen. Es kommt zu einer Reduzierung der Artenvielfalt. Das kann nicht im Sinne eines stabilen Ökosystems sein.


September 2012

Flusspferd
Diese beiden Flusspferdbullen habe ich 2009 im Chobe-Fluss angetroffen. Unser Bootsführer hat meine Frau und mich sehr vorsichtig nahe genug an die Tiere herangefahren, damit wir sie mit Brennweiten bis 300mm fotografieren konnten.

Bislang war es mir in vielen Jahren in Afrika kaum gelungen, einmal ein Flusspferd mit offenem Maul zu fotografieren. Hier drohten sich ständig irgendwelche Tiere an. Als diese beiden Männchen dann fast eine halbe Stunde miteinander kämpften, sah ich mich am Ziel meiner tierfotografischen Träume.

Dominante Flusspferdebullen errichten Reviere, in denen sich möglichst viele fortpflanzungsfähige Weibchen aufhalten. Um diese Reviere kann es zu heftigen Auseinandersetzungen kommen, die wegen der langen und scharfen unteren Eckzähne der Kontrahenten nicht selten sogar tödlich ausgehen.

Flusspferde können sehr aggressiv sein. Oft haben sie Boote angegriffen und zum Kentern gebracht und die Insassen attackiert. Immer wieder wird behauptet, Flusspferde seien die für Menschen gefährlichsten Großtiere Afrikas und würden mehr Todesfälle verursachen als etwa Krokodile oder sämtliche Großkatzen zusammen. Obwohl es keine Statistiken darüber gibt (s. Wikipedia) ist anzunehmen, dass die Behauptung stimmt. Heute sind auch in Afrika die Menschen vielerorts nicht mehr darauf angewiesen, Wasser aus Flüssen zu schöpfen, ihre Wäsche in Flüssen zu waschen und sich in Gewässern mit Flusspferden zu waschen. So nimmt die Gefahr durch Zusammenstöße mit Flusspferden insgesamt ab.


August 2012

Sardinen in der Dose
Nirgendwo sonst auf der Erde gibt es ein Naturereignis, dass sich mit der immer-währenden Reise der Gnus im Serengeti-Ökosystem vergleichen ließe. Mehr als die Hälfte der zwei bis zweieinhalb Millionen Gnus wandert ununterbrochen im Uhrzeigersinn im Serengeti-Ökosystem herum. Sie weiden das Gras der Savan-ne ab und ziehen dann weiter. Der Bewuchs erholt sich in der anschließenden Regenzeit, und der Kreislauf beginnt von vorn - eine ausgeklügelte Anpassung der Riesenherden an den Lebensraum dieser Graslandschaft.

Im Juli erscheinen die ersten Gnus im Norden ihres Wanderungsgebietes, in der Massai-Mara. Am Mara-Fluss warte ich auf sie. Oben am Steilufer halten sie inne. Über der riesigen Herde liegt ein ständiges verhaltenes Muhen aus Tausenden von Kehlen, das wie "Gnu" klingt und den Tieren ihren deutschen Namen eingetragen hat. Von hinten rücken Tiere nach. Plötzlich geht alles ganz schnell: Die ersten Tiere stapfen vorsichtig ins Wasser, weitere rücken von oben nach. Die Gnus stürmen geradezu durch den Fluss. Auf breiter Front stürzen sie sich ins Wasser. Am jenseitigen Ufer suchen sie einen Ausstieg und drängen sich dicht aneinander wie Sardinen in der Dose. Nicht selten gibt es eine Panik an den Ausstiegen. Dann blockieren sie sich treten sich gegenseitig tot.

Der Mara-Fluss ist nun auf einer Breite von 300 Meter voller Gnus. Mit angstge-weiteten Augen rennen sie durchs Wasser, um möglichst schnell das gegenüberliegende Ufer zur erreichen. Manche springen in ungelenken Sätzen auf die Rücken der vor ihnen Laufenden. Andere springen von der senkrechten Uferbank mehr als fünf Meter tief auf den Boden oder ins Wasser. Sie haben Angst vor den Krokodilen, die hier auf Beute lauern. Diesmal geht alles gut, kein Tier stirbt, keines wird verletzt. Kein Krokodil hat angegriffen. Sie sind bereits satt. Nach zwei Stunden legt sich der Staub. Der Fluss liegt ruhig da. Und die Krokodile liegen wieder am Ufer und dösen vor sich hin.


Juli 2012